Im Beitrag dieses Monats begeben wir uns nach dem Film „Der dritte Mann“ erneut auf die Spuren eines internationalen Films, der nicht zuletzt mit stimmungsvollen Bildern zu überzeugen vermag.
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, in den folgenden Aufnahmen auf die Umgebung bzw. den Hintergrund achten, könnten Sie möglicherweise auch bereits den Schauplatz der Szenen erraten:
Filmszene, 1995.
Bildnachweis: https://www.criterion.com/current/posts/4445-the-before-trilogy-time-regained, Bearbeitung Pelikan.
Falls Sie schon eine Ahnung haben, folgt nun ein weiteres Bild:
Filmszene, 1995.
Bildnachweis: https://www.criterion.com/current/posts/4445-the-before-trilogy-time-regained, Bearbeitung Pelikan.
Kommen wir nun zur Auflösung: Es handelt sich hierbei um den 1995 gedrehten Streifen „Before Sunrise“, einen Spielfilm mit Ethan Hawke und Julie Delpy in den Hauptrollen. [1] Regisseur war Richard Linklater, der zusammen mit Kim Krizan auch das Drehbuch verfasste. Des Weiteren finden sich einige Namen bekannter österreichischer Schauspieler*innen in diesem Film, so unter anderem Andrea Eckert, Erni Mangold und Hanno Pöschl. Seit 2025 ist der Film im National Film Registry [2] gespeichert, wo seit 1988 jährlich 25 besonders erhaltenswerte Filme archiviert werden. [3]
Früherer Eingang zum „Friedhof der Namenlosen“, um 1920.
Bildnachweis: Digitale Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek (ÖNB), https://onb.digital/result/10B92CE6.
Heutiger Eingang zum „Friedhof der Namenlosen“, 2019.
Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.
Widmen wir uns nun aber dem gezeigten Drehort und dessen historischer Entwicklung. Wie auf dem zweiten Bild zu lesen ist, handelt es sich um den „Friedhof der Namenlosen“, nächst des bereits im Februar-Beitrag gezeigten Alberner Hafens [4] gelegen. Ursprünglich wurde dieser Friedhof im Jahr 1854 zwischen der späteren Hafeneinfahrt und der heutigen Dammkapelle angelegt, um den großteils unbekannten, in der Donau ums Leben gekommenen und hier angeschwemmten Opfern eine würdige Grabstätte zu bereiten. Aufgrund immer wiederkehrender Überschwemmungen wurde der alte Friedhof jedoch aufgelassen, der unter Bezirksvorsteher Albin Hirsch angelegte neue Friedhofsteil befindet sich heute in einer Niederung hinter dem 1935 verstärkten Schutzdamm. Bis heute ist dieser Friedhof der einzige weltweit, in dem ausschließlich Opfer eines Flusses beerdigt sind, aktuell wird er vom Hafen Wien und der Stadt Wien betreut. Der alte Friedhofsteil ist aufgrund einer Hafenerweiterung nicht mehr sichtbar und beherbergte rund 478 Opfer, im neuen, heute begehbaren Teil fanden 104 Opfer ihre letzte Ruhestätte, davon konnten lediglich 43 identifiziert werden.
Anlässlich des Totengedenkens der Flussopfer findet jeden ersten Sonntag nach Allerheiligen eine Prozession mit einem blumengeschmückten Floß statt. [5]
Bildnachweis: Petra Leban und Hannelore Leban, Ansichten aus Alt-Simmering, 2009, S. 107.
Carl Eder, Auferstehungskapelle, erbaut 1935. Zustand 2019.
Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.
Anlässlich der Erhöhung und Verstärkung der Hochwasserschutzdämme wurde von 1933 bis 1935 eine kleine Kapelle mit ovalem Grundriss und gerahmten Rundfenstern von Carl Eder errichtet. [6] Besonders imposant wirken hier die beidseitigen Treppenaufgänge mit wuchtigen Beton-Balustraden.
Linkes Bild: Hier zu sehen sind die typischen Gusseisenkreuze der zumeist "namenlosen" Opfer.
Rechtes Bild: Besonders berührend ist das Grab eines Kleinkindes, das mit „Sepperl“ benannt wurde.
Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan
Eine besondere Erwähnung soll hierbei Herrn Josef Fuchs (1906-1996) zuteil werden, der sich bis zuletzt ehrenamtlich um die Pflege der Gräber kümmerte. Von all seinen eigenhändig bestatteten Opfern konnte er durch Recherche alle bis auf ein einziges identifizieren, wodurch die Gräber des „Friedhofs der Namenlosen“ nicht gänzlich namenlos geblieben sind. [7]
Zuletzt möchte ich Ihnen noch die Strophe eines kurzen Gedichtes präsentieren, das sich an diesem Ort findet:
Bildnachweis: https://northstarchronicles.de/friedhof-der-namenlosen-wien/.
Damit beenden wir auch schon wieder unseren etwas melancholischen Ausflug zu einem besonderen Ort, den Sie unbedingt einmal besuchen sollten, es lohnt sich wirklich. Weiters hoffe ich, dass Sie auch das Miträtseln des Films spannend fanden und so würde ich mich freuen, wenn Sie im nächsten Beitrag wieder hereinschauen und mich zum nächsten Drehort in Simmering begleiten.
Beitragersteller: Thomas Pelikan
[1] https://www.imdb.com/title/tt0112471/.
[3] https://www.loc.gov/programs/national-film-preservation-board/about-this-program/.
[4] https://www.wien.gv.at/religion/friedhof-der-namenlosen, Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 80., sowie Hans Havelka, Simmering. Geschichte des 11. Wiener Gemeindebezirks und seiner alten Orte, hg. von Felix Czeike, Wien 1991, S. 144-145.
[5] https://www.wien.gv.at/religion/friedhof-der-namenlosen.
[6] Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 80, sowie Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer in vier Bänden, Band III/1, Wien 1.-12. Bezirk, S. 290, sowie SMB 28, Anton Lang: Donauwellen. Friedhof der Namenlosen, Wien 1988, S. 1134-135.
[7] https://www.wien.gv.at/religion/friedhof-der-namenlosen.
Kommentar hinzufügen
Kommentare