Mai 2026 - Hinter 'barockisierten' Gardinen

Wie von den bisherigen Beiträgen bekannt, möchte ich Sie auch in diesem Monat auf einen Spaziergang zu einem geschichtsträchtigen Ort in Simmering einladen, der aufgrund seiner unterschiedlichen Zweckwidmung mehr als nur eine rein optische Kulisse darstellt.

 

Beginnen wir jedoch wie immer mit den Szenenbildern aus einer bekannten österreichischen Serie, die einen Teil des genannten Ortes bzw. des darauf befindlichen Bauwerkes zeigen:

 

Szenenbild, 2018.

Bildnachweis: https://www.dailymotion.com/video/x8dghju, Bearbeitung Pelikan.

 

Falls Sie bereits einen Verdacht hegen bzw. schon auf der richtigen Spur sind, möchte ich Ihnen zwei weitere Bilder nicht vorenthalten:

 

Szenenbilder, 2018.

Bildnachweis: https://www.dailymotion.com/video/x8dghju, Bearbeitung Pelikan.

 

Kommen wir nun also zur Auflösung: Es handelt sich um Szenen der Krimi-Serie „SOKO Donau“ aus dem Jahr 2018, Staffel 13, Folge 2 mit dem Titel „Grenzfall“. [1] Neben der Stammbesetzung Stefan Jürgens, Gregor Seberg, Dietrich Siegl und Maria Happel spielt in dieser Folge auch der Schauspieler Michael Steinocher (vielleicht ist er Ihnen auch aus der Serie Cop Stories bekannt), der gerade die Justizanstalt Wien-Simmering in Kaiserebersdorf verlässt. Regisseur der Folge war Holger Barthel, das Drehbuch dazu schrieb Sascha Bigler.

 

Da die Geschichte dieses Gebäudes sehr weit zurückreicht, möchte ich an dieser Stelle nur einen ganz kurzen Abriss dazu liefern, um den alles verbindenden Bogen vereinfacht zu spannen. Sie sind jedoch herzlich eingeladen, selbst die zur Verfügung stehende Literatur, wie in den Fußnoten ausgewiesen, nachzulesen oder den Münnichplatz in Kaiserebersdorf, wo das einstige Schloss steht, zu besuchen.

 

Beginnen wir nun mit den ältesten Zeugnissen. [2]

 

Gesamtansicht der Ausgrabungen Stand 1995. Heute befindet sich an dieser Stelle der neue moderne Hochsicherheitstrakt der Strafanstalt.

Bildnachweis: J. Kaye, in: Karin Fischer Ausserer (Hg.), Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt, in: Wien Archäologisch, Band 7, Wien 2011, S. 60.

 

Als erstgenannte Besitzer einer Burg auf dem heutigen Gebiet in Kaiserebersdorf gelten die Herren von Himberg-Ebersdorf, die auf dem Areal des heute noch erhaltenen Uhrtraktes (siehe Bild oben und unten) ihren ersten Herrschaftssitz errichten ließen. [3]

 

Schloss Kaiserebersdorf (Uhrtrakt) und die von einer Mauer umgebene Pfarrkirche St. Peter und Paul auf einem Fresko im Palazzo Vecchio in Florenz. (Ausschnitt)

Bildnachweis: Karin Fischer Ausserer (Hg.), Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt, in: Wien Archäologisch, Band 7, Wien 2011, S. 30.

 

Für den weiteren Verlauf der Nutzung interessant scheint mir an dieser Stelle, dass sich ab 1528 mit der Inbesitznahme der mehrfach ausgebauten Burg unter Kaiser Ferdinand I. die Bautätigkeiten allmählich hin zum Schloss vollzogen. [4]

 

Georg Matthäus Vischer, Schloss ‚Eberstorff‘, um 1672. Gut zu erkennen sind Wassergraben, Uhrtrakt, ein Eckturm sowie diverse An- und Zubauten, im Hintergrund die noch unregulierte Donau.

Bildnachweis: A. Ratz (Hersteller), Georg Matthäus Vischer (Stecher), "Kaiser-Ebersdorf.", um 1935, Wien Museum Inv.-Nr. 245491/10, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/635846/)

 

Salomon Kleiner, Schloss Kaiser-Ebersdorf nach Norden, 18. Jhdt. In der hinteren Bildmitte ist der genannte Uhrtrakt gut zu erkennen, die Gestaltung der An- und Zubauten hat sich bereits wesentlich verändert.

Bildnachweis: Hans Havelka, Simmering. Geschichte des 11. Wiener Gemeindebezirks und seiner alten Orte, hg. von Felix Czeike, Wien 1991, S. 117.

 

Als kaiserliches Jagdschloss genutzt, wurde ein früherer Wolfsgarten im Verlauf des 16. Jahrhunderts zu einer Menagerie für exotische Tiere umgewandelt. [5] Überliefert ist die Haltung eines Elefanten, welcher unter Kaiser Maximilian II. 1552 hier untergebracht war. [6] Allerdings wurde die Menagerie 1607 bereits in das neu errichtete Schloss Neugebäude verlegt.[7] Danach wurde das Schloss Kaiserebersdorf mehrfach umgebaut und nach der Belagerung durch die Osmanen 1683 nach Plänen von Lodovico Ottavio Burnacini wiedererrichtet.

 

Links: Portal Schloss Kaiserebersdorf, in seiner Verwendung als Montur-Depot des Infanterieregiments Nr. 4 „Hoch- und Deutschmeister“.

Rechts: Blick durch das Portal Richtung Norden auf den Uhrtrakt, um 1900.

Bildnachweis: Petra Leban/ Hannelore Leban, Die Reihe Archivbilder. Ansichten aus Alt-Simmering, Erfurt 2009, S. 91 bzw. 90 unten.

 

Ab 1773 wurde das Schloss als Artilleriekaserne und von 1883 bis 1918 unter Kaiser Franz Josef I. als Montur-Depot für das Infanterieregiment Nr. 4 der „Hoch- und Deutschmeister“ genutzt. [8]

 

Bildnachweis: Helfried Seemann/ Christian Lunzer (Hg.), Simmering Album 1880-1930, Wien 2003, Abb. 100.

 

Eine unrühmliche Nutzung des Schlosses datiert in die Zeit, als Richard Seyss-Inquart mit 1. Jänner 1929 zum Leiter der „Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige in Kaiserebersdorf“ bestellt wurde. [9] Während der NS-Herrschaft waren hier unter anderen auch jugendliche ‚Widerständler‘ inhaftiert. Um 1939 war die Anstalt schließlich um eine „kriminalbiologische Station“ erweitert worden. Mit dem Stichtag 1. März 1944 befanden sich 388 Jugendliche in Kaiserebersdorf in Haft.

 

Erwähnenswert scheint mir zuletzt noch ein Hinweis auf die Schlosskapelle, über die ein Artikel in den „Simmeringer Museumsblättern Heft 21“ zu lesen ist. [10]

 

Schlosskapelle Münnichplatz. Kirchenraum mit prunkvoll ausgestaltetem Tonnengewölbe und einem Altarbild des Malers Karl von Reselfeld.

Bildnachweis: Karin Fischer Ausserer (Hg.), Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt, Wien Archäologisch, Band 7, Wien 2011, S. 82.

 

Schloss und angeschlossener Hochsicherheitstrakt im heutigen Zustand.

Auf dem Parkplatz in der unteren Bildmitte (Brühlgasse) entstanden die Aufnahmen zu der Krimi-Serie SOKO Donau.  

Bildnachweis: Google Maps 2026, Bearbeitung Pelikan.

 

Damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres kurzen Ausflugs angelangt. An dieser Stelle möchte ich mich bei Ihnen für Ihr Interesse bedanken und lade Sie herzlich ein, die nahegelegene Umgebung des Schlosses zu erkunden, empfehlenswert ist auch ein Besuch in der Pfarrkirche Kaiserebersdorf St. Peter und Paul mit dem Gnadenbild Maria am Baume, die sich vis-a-vis des Schlosses befindet. Ansonsten würde ich mich freuen, Sie auch im nächsten Beitrag wieder begrüßen zu dürfen.

 

Beitragersteller: Thomas Pelikan


[1] https://www.imdb.com/de/title/tt7526292/.

[2] Heike Krause, historische Entwicklung, in: Karin Fischer Ausserer (Hg.), Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt, Wien Archäologisch, Band 7, Wien 2011, S. 19-29, bzw. Hans Havelka, Simmering. Geschichte des 11. Wiener Gemeindebezirks und seiner alten Orte, hg. von Felix Czeike, Wien 1991, S. 42-64, 115-119.

[3] Karin Fischer Ausserer (Hg.), Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt, in: Wien Archäologisch, Band 7, Wien 2011, S. 19-23, 71-75., sowie: SMB 8, Alois Gehart: Das Landgericht Schwechat und die Herrschaft Ebersdorf, Wien 1980, S. 12-14., sowie SMB 57, Ernst Schachner/ Petra Leban: Schloss Ebersdorf im Wandel der Zeiten, Wien 1998, S. 547-550., sowie SMB 58, Sabine Hödl/ Tina Walzer: Simmering im Mittelalter. Die Herren von Ebersdorf und der Wiener Jude Lebmann, Wien 1998, S. 563-570., sowie Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 57-60.

[4] siehe Fußnote [3].

[5] Christine Ranseder, Ein Hauch Exotik..., in: Karin Fischer Ausserer (Hg.), Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt, Wien Archäologisch, Band 7, Wien 2011, S. 85., sowie https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kaiserebersdorfer_Schloss.

[6] SMB 78/79, Petra Leban: Der erste Elefant, Wien 2008, S. 36-37., sowie https://www.bmsimmeringdigital.at/aktueller-blog-und-archiv/1666423_maerz-2024-fassade-mit-elefant.

[7] https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kaiserebersdorfer_Schloss.

[8] Heike Krause, Schleichender Bedeutungsverlust und radikaler Funktionswandel, in: Karin Fischer Ausserer (Hg.), Schloss Kaiserebersdorf. Vom Adelssitz zur Justizanstalt, Wien Archäologisch, Band 7, Wien 2011, S. 28., sowie https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Kaiserebersdorfer_Schloss.

[9] SMB. Heft 71/72, Herbert Exenberger: Gefängnis statt Erziehung. Jugendgefängnis Kaiser-Ebersdorf 1940-45. 1. Teil, Wien 2003/2004, S. 3-8. In SMB. Heft 75, Herbert Exenberger: Gefängnis statt Erziehung. Jugendgefängnis Kaiser-Ebersdorf 1940-45. 2. Teil, Wien 2006, S. 7-13. Finden sich Lebensläufe von fünf jugendlichen Insassen Kaiserebersdorf während der NS-Zeit.

[10] SMB. Heft 21, Hans Havelka: Die Kapelle der Strafvollzugsanstalt im Schloß Kaiserebersdorf, Wien 1985, S. 17-19. – Die Aufnahme des Innenraums ist insofern interessant, da die Kapelle aus naheliegenden Gründen heute nicht mehr zugänglich ist.

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