Oktober 2026 - Ab- und Hintergründe in Simmering

In diesem Monat möchte ich Sie gerne auf eine Reise mitnehmen, die uns entlang einer durchaus bekannten Straße von der Oberfläche auch kurz in den Untergrund des 11. Bezirks blicken lässt. Hat sich einiges bis heute in der gezeigten Form erhalten, so können wir anderes nur mehr anhand der Abbildungen einiger Filmszenen rekonstruieren.

 

Beginnen möchte ich mit einem unlängst im ORF ausgestrahlten Werk anlässlich Helmut Qualtingers 50. Todestages, das neben diversen Schauplätzen vor allem durch ein überaus umfangreiches Darsteller*innenaufgebot den österreichischen Film charakterisiert. Möglicherweise kommen Ihnen die hier abgebildeten Aufnahmen der zweiten Episode des Films bekannt/ vertraut vor.

 

Filmszenen, 1997, ab Min. 2:20.

Bildnachweis: https://on.orf.at/video/14340883/qualtingers-wien, Bearbeitung Pelikan.

 

Falls Sie die Ausstrahlung dieses Films versäumt haben, hierbei handelt es sich um die Produktion „Qualtingers Wien“ unter der Regie von Harald Sicheritz, mit Texten von Helmut Qualtinger (1928-1986) in der Bearbeitung von Alfred Dorfer und Harald Sicheritz aus dem Jahr 1997. [1] Der Streifen bildet eine lose Aneinanderreihung von verschiedenen Texten Qualtingers ab, deren Abfolge im Film durch szenische Ereignisse scheinbar zufällig verbunden werden. Erwähnen möchte ich neben der Vielzahl an Schauspieler*innen und Kabarettist*innen wie Lukas Resetarits, Andrea Händler, Karl Markovics oder Louise Martini auch Qualtingers im August 2026 verstorbene Witwe Vera Borek, die gleich zu Beginn des Films an der Seite von Alfred Dorfer in Erscheinung tritt.

 

Als nächsten Drehort möchte ich Ihnen nun eine relativ unspektakuläre Szene zeigen, in deren Hintergrund sich allerdings erneut ein Ausschnitt der gesuchten Straße und deren Umgebung findet:

 

Filmszene, 2002.

Bildnachweis: ORF; Screenshot, Bearbeitung Pelikan.

 

Bei dieser Aufnahme handelt es sich um eine Szene aus der österreichischen TV-Serie „Dolce Vita & CO“ aus dem Jahr 2002, in deren achter Folge der zweiten Staffel das oben gezeigte Bild zu sehen ist. [2] Das Drehbuch stammt von Anders Stenmo, Schlagzeuger und Gründungsmitglied der Musikgruppe „Erste Allgemeine Verunsicherung“, aka EAV. Regie führte Claudia Jüptner, neben Michael Niavarani agierten unter anderem auch Götz Kaufmann, Marianne Mendt, Andreas Vitasek und, wie im Bild zu sehen, Kurt Sobotka.

 

Kommen wir nun aber zur Auflösung der Drehorte, die, wie bereits erwähnt, alle entlang einer Straße des Bezirks zu finden sind, und zwar an der Simmeringer Hauptstraße. Die ersten beiden Screenshots zeigen Schuss und Gegenschuss derselben Örtlichkeit, nämlich den Bereich rund um die Zippererstraße. Erkennt man auf dem linken Bild im Hintergrund das Haus Nr. 44, in dem sich damals wie heute die „Adler-Apotheke“ befindet, so stehen Louise Martini und Lukas Resetarits auf dem rechten Bild vor der Baustelle der im Jahr 2000 eröffneten U3-Station Zippererstraße. Noch im Jahr 1990 mündete an dieser Stelle die Zippererstraße in die Simmeringer Hauptstraße.

 

Simmeringer Hauptstraße 51-53 sowie 55, ca. 1990.

Bildnachweis: Ausstellung Bezirksmuseum 2026.

U-Bahn Auf-/Abgang Zippererstraße, 2026.

Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.

Simmeringer Hauptstraße 44 und 46, 2026.

Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.

Apotheke zum schwarzen Adler, Simmeringer Hauptstraße 44, 2026.

Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.

 

Am rechten Bildrand des linken oberen Bildes ist im Übrigen ein Haus mit frühhistoristischer Fassade zu erkennen, in welchem sich das erste Bürgermeisteramt Simmerings von 1850-56 befand. [3] Eine Gedenktafel aus dem Jahr 1947 erinnert heute noch an die Bürgermeister Wenzel Sedlitzky (1850-52, 11., Sedlitzkygasse) und Josef Dachler (1853-56). Hier befand sich zudem auch der „Arbeiterbildungsverein Simmering“ von 1890. [4]

 

Gedenktafel am ehemaligen Bürgermeisteramt, heute befindet sich hier das Gasthaus ‚Hochmayer‘.

Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.

 

Um zu dem zweiten Schauplatz zu gelangen, können wir nun mit dem 71-er (der Linie 71) entlang der Simmeringer Hauptstraße bis zur Station „Fickeysstraße“ fahren (-> Johann Fickeys, Simmeringer Kommunalpolitiker), wo sich auch der um 1900 erbaute Straßenbahn-Betriebsbahnhof Simmering befindet. Schräg gegenüber, an der Adresse Simmeringer Hauptstraße 189-191, gibt es seit 1986 bis heute die „Simmeringer Tapeten Palette“, ein Geschäft für Raumausstattungen, [5] das, ebenso wie der angrenzende Autohändler, in der Filmszene aus der Serie „Dolce Vita & CO“ gut zu erkennen ist. Wenn auch das einstige Schild „autoland“ der Aufschrift „Ing. Bezencek“ gewichen ist, so hat sich doch die Ansicht dieses Abschnitts der Simmeringer Hauptstraße nicht wesentlich verändert.

 

Simmeringer Hauptstraße 189-191, 2026.

Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.

 

Damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres Ausflugs entlang der Simmeringer Hauptstraße angelangt. Ich hoffe, es war wieder etwas Neues/ Abwechslungsreiches für Sie dabei und ich freue mich, Sie auch das nächste Mal wieder beim vorletzten Drehort in Simmering begrüßen zu dürfen.

 

Beitragersteller: Thomas Pelikan


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