August 2026 - Versteckte Plätze erzählen Geschichte(n)

In diesem Monat möchte ich Sie an einen Drehort entführen, dessen Vielfältigkeit in mehreren Produktionen auf ganz unterschiedliche Weise zur Darstellung gelangte. Zunächst präsentiere ich der Krimi-begeisterten Leserschaft den gesuchten Ort als Schauplatz eines weiteren ‚Verbrechens‘:

 

 

Die hier gezeigten Szenen stammen erneut aus einer Folge der Krimi-Serie „SOKO Donau“ mit dem Titel „Preis der Schönheit“ aus dem Jahr 2009. Nach dem Drehbuch von Kerstin-Luise Neumann und unter der Regie von Robert Sigl [1] spielten neben der Stammbesetzung mit Gregor Seberg, Stefan Jürgens, Lilian Klebow und Dietrich Siegl unter anderem auch Sandra Cervik, Helmut Bohatsch und Paul Matic.

Ein weiteres Mal diente der gesuchte Ort als malerische Kulisse für eine historische Dokumentation:

 

 

Bei den hier gezeigten Bildern handelt es sich um Szenen der Dokumentation „Venedig und das Ghetto“ aus dem Jahr 2016. [2] In dieser Koproduktion von Metafilm und Tellux sowie unter Mitwirkung von ARTE, NDR, BR und ORF führte Klaus Steindl, der zusammen mit Yury Winterberg auch das Drehbuch verfasste, Regie. Als Erzähler ist Peter Matic, der Vater des bereits erwähnten Paul Matic, zu hören.

 

Johann Adam Delsenbach (Stecher), "Das Neugebäude um 1700.", um 1935. Blick nach Süden.

Bildnachweis: Wien Museum Inv.-Nr. 245491/9, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/635809/)

 

Betrachten wir nun den Schauplatz beider Produktionen. Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf den Hintergrund geachtet haben, werden ihnen eventuell die markanten Säulen und das Gewölbe auf den ersten beiden Bildern aufgefallen sein. Es handelt sich dabei um die Grotte des Schlosses Neugebäude. [3] Das im 16. Jahrhundert unter Kaiser Maximilian II. in Auftrag gegebene Schloss liegt gegenüber dem Zentralfriedhof in der Nähe des zweiten Tores, an der Rückseite des von Clemens Holzmeister erbauten Krematoriums, das im ehemaligen südlichen Garten (im oberen Bild etwa in der Bildmitte) beheimatet ist.

 

Grundriss der Grotte des Schlosses Neugebäude.

Bildnachweis: Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 56.

 

Unterhalb des Westrisalits (linker Gebäudeabschluss stadteinwärts) liegt jener Grottenraum mit sechs unregelmäßig angeordneten Säulen und sechs ebenfalls unregelmäßig großen Mauerhöhlungen im äußeren Mauerwerk. [4] Gegenüber des östlich über eine Treppe erreichbaren Eingangs befindet sich weiters eine Apsis mit Halbkreiswölbung.

 

Gewölbe der Grotte im heutigen Zustand.

Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.

 

Die heute noch vorhandenen Nischen dienten wohl als Rahmung für die Grottenausstattung, beispielsweise für Statuen, heute sind sie jedoch alle leer. Reste einer Flusssteinverkleidung [5] könnten ein Hinweis sein, dass die Säulen früher verkleidet waren. Ob diese Grotte jedoch jemals mit Wasser befüllt war und mit kleinen Booten befahrbar gewesen wäre, ist nicht nachgewiesen.

 

Der Drehort der historischen Dokumentation über die Geschichte des jüdischen Venedigs führt uns nun an einen weiteren bemerkenswerten Ort des Schlosses, der auf der anderen Seite der Anlage, im Osten (also stadtauswärts) gelegen ist.

 

A. Ratz, Ansichtskarte aus dem Neugebäude, Autotypie, 10,6 x 15,1 cm, um 1935.

    1. Bildnachweis: A. Ratz (Hersteller), „Neugebäude.“, um 1935. Wien Museum Inv.-Nr. 245491/7, CC0 (https://sammlung.wienmuseum.at/objekt/635740/)

     

    Bei diesem Raum handelt es sich um die ehemaligen Stallungen des Schlosses, einen Rechteckbau mit wechselnder Blendbogengliederung. [6] Laut dem Denkmalschutzbericht wurden die inneren Säulen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingestellt, woraus sich eine dreischiffige und siebenjochige Halle mit Kreuzgratgewölben ergibt, was sowohl auf den Szenenphotos als auch auf der Photographie von A. Ratz zu erkennen ist. Aufgrund der Tatsache, dass der Raum über eine Kanalableitung verfügt, wird seine Nutzung als Stall angenommen. Wie in unserem Podcast [7] nachgehört werden kann, ist in diesem Raum heute noch eine interessante Pflasterung im sogenannten ‚Fischgrätmuster‘ erhalten.

     

    Stallungen im heutigen Zustand, sowie das Fischgrätmuster im Boden.

    Bildnachweis: Privatarchiv Pelikan.

     

    Leider können die hier gezeigten Innenräume des Schlosses nur im Rahmen von Führungen oder zu bestimmten Anlässen besichtigt werden, allerdings lohnt sich ein Besuch vor allem schon wegen der weitläufigen Innenhöfe und der Gartenanlagen (mit Kinderspielplatz).

     

     

    Damit wären wir auch schon am Ende dieses Beitrags angekommen und ich hoffe, ich konnte Ihnen wieder einen spannenden und geschichtsträchtigen Ort ein bisschen näherbringen. Vielen Dank für Ihr bisheriges Interesse, ich würde mich freuen, Sie im nächsten Monat wieder begrüßen zu dürfen.

    Beitragersteller: Thomas Pelikan


    [1] https://www.imdb.com/de/title/tt1532155/.

    [2] https://www.tellux.tv/produktion/venedig-und-das-ghetto/, sowie https://www.fernsehserien.de/filme/venedig-und-das-ghetto.

    [3] https://magazin.wienmuseum.at/die-wechselvolle-geschichte-von-schloss-neugebaeude, https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Schloss_Neugeb%C3%A4ude, sowie https://www.bmsimmeringdigital.at/aktueller-blog-und-archiv/1666398_juni-2023-jubilaeumsbeitrag-carolus-clusius, Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 53,56, sowie https://open.spotify.com/episode/4IQh2h0xnfnkCpko6B2Whz?si=ajCodVfCRguaAZH7ATxWTg bzw. Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer in vier Bänden, Band III/I Wien 1.-12. Bezirk, S. 294-295.

    [4] Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 56.

    [5] Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 56.

    [6] Bundesdenkmalamt (Hg.), Dehio Wien, X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk, Wien 1996, S. 56.

    [7] https://open.spotify.com/episode/4QSAEV43ajPJvLt2ClS3BH?si=VVNn-zjZSsSghMzUfFfJ2g.

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