Den letzten beiden Beiträgen folgend sind wir auch diesmal wieder an einem Schauplatz im elften Bezirk unterwegs, den möglicherweise so mancher Leser/manche Leserin identifizieren können wird.
Zuerst aber einmal die grundlegende Frage: Um welche Szenenbilder könnte es sich wohl hierbei handeln?
Unterwegs im Nirgendwo - Szenenfotos einer österreichischen Produktion, 1979.
Bildnachweis: Screenshots des Films, Bearbeitung Pelikan.
Als entscheidender Auflösungshinweis könnte folgendes Bild dienlich sein:
Szenenfoto, Detail, 1979.
Bildnachweis: Screenshot des Films, Bearbeitung Pelikan.
Spätestens jetzt werden Sie sich an die österreichische Filmreihe „Kottan ermittelt“ (Folge 6: Drohbriefe) aus dem Jahr 1979 nach dem Drehbuch von Helmut Zenker und unter der Regie von Peter Patzak erinnern. [1] In der Rolle des titelgebenden Major Kottan war, wie auf dem dritten Bild erkennbar, Franz Buchrieser zu sehen. Neben ihm spielten des Weiteren Curt A. Tichy, Walter Davy und Kurt Weinzierl sowie Bibiane Zeller und Gusti Wolf mit.
Falls Sie nun auch den Drehort dieser Produktion erraten haben, so werden sie sicherlich auf die Gasometer und deren Umgebung gestoßen sein. In der folgenden Aufnahme ist die rekonstruierte (nachgestellte) Szene dieses Schauplatzes gut zu erkennen:
In der Bildmitte der Wasserturm sowie rechts einer der beiden Schlote des Elektrizitätswerks, links im Bild ein Ausschnitt des Gasometers D.
Bildnachweis: Google Maps 2026, Bildbearbeitung Pelikan.
Auch die Mauer, vor der Franz Buchrieser zu sehen ist, existiert abschnittsweise noch entlang der Döblerhofstraße, bzw. um die Ecke entlang der Hallergasse/ Eyzinggasse.
Reste der alten Umfassungsmauern des Gaswerkes in der Döblerhofstraße.
Bildnachweis: Google Maps 2026, Bildbearbeitung Pelikan.
Kommen wir nun zum zweiten Teil des Beitrages, wo wir in gewohnter Weise den historischen Kontext dieses Filmschauplatzes betrachten wollen.
1818 war das erste Gaswerk beim Kärntnertor errichtet worden, welches ab 8. Juli desselben Jahres die ersten 25 Straßenlaternen mit Gas versorgte. Durch den Vertragsabschluss mit der Wiener Stadtverwaltung hatte einige Zeit später die ‚Imperial Continental Gas Association‘ (ICGA) die Gasversorgung in Wien übernommen. [2]
Gasometer A 1897, das Fundament ist bereits angelegt, die Paletten mit den Ziegeln werden per Bahn angeliefert und unmittelbar entladen.
Foto: https://www.gasometer.at/de/architektur/geschichte/der-ursprung, Abb. 2. (Diese Internetseite ist 2026 nicht mehr vorhanden, das Foto habe ich 2022 gesichert.)
Um die Stadt von diesem englischen Gasproduzenten unabhängig zu machen, wurde die Gründung der Städtischen Gaswerke beschlossen. [3] 1892 erfolgte die Zustimmung durch den Gemeinderat für das Gaswerk in Simmering auf dem Bürgerspitalsgrund, der Baubeginn mit den Gasbehältern selbst ist durch einen Gemeinderatsbeschluss im Jahr 1896 festzulegen. [4] Um Mitternacht, vom 30. auf den 31. Oktober 1899, [5] strömte erstmals stadteigenes Gas aus Simmering durch die Rohre, die damalige Tagesleistung belief sich auf 432.000 m3, allerdings sorgte der sprunghafte Anstieg des Gasverbrauchs dafür, dass das Gaswerk in den folgenden Jahren ständig erweitert werden musste, was schließlich zum Ausbau von insgesamt fünf Gasbehältern führte. [6]
Hier stehen bereits die Gasometer A und B, im Hintergrund sind die Kuppeln der Gasometer C und D zu sehen.
Foto: http://www.gasometer-city.eu/geschichte.htm, Abb. 5.
1962 erlosch die letzte öffentliche Gaslaterne, ab 1966 fungierten die Gaswerke nicht mehr als Erzeuger von Stadtgas, sondern als Verteiler von Erdgas, [7] 1978 wurden die vier Zylinder aus Ziegelwerk unter Denkmalschutz gestellt und schließlich 1985/86 außer Betrieb genommen. [8] Der für die Gasspeicherung eingesetzte Innenbau wurde komplett entfernt, übrig blieben die Außenhüllen, wie sie sich auch heute noch präsentieren.
Die Gasometer im heutigen Zustand, links vorne die U3 -Station „Gasometer“.
Foto: https://porr.at/projekte/revitalisierung-der-gasometer-c-und-d/.
Mit diesem Ausflug zu einem weiteren Original-Drehort im elften Wiener Gemeindebezirk beschließen wir auch schon wieder den Beitrag des Monats März. Wenn auch Sie die Gelegenheit nutzen wollen, diesen Ort persönlich kennenzulernen, so möchte ich an dieser Stelle kurz auf aktuelle städtebauliche Veränderungen im Gasometer-Umfeld hinweisen. So wird das „Gasometervorfeld“ neu konzipiert, wobei ein neuer Park („Zentralpark“) [9] sowie ein neues Wohn- und Geschäftsviertel („Bricolage City“) [10] entstehen soll. Ich würde mich freuen, Sie auch im April an einem neuen Schauplatz in Simmering begrüßen zu dürfen.
Beitragersteller: Thomas Pelikan
[2] Hans Havelka, Simmering, hg. von Felix Czeike, 1991, S. 167, bzw. Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert, Band III/I Wien 1.-12. Bezirk, S. 304-306.
Weitere interessante Daten und Fotos finden Sie u.a. hier: https://magazin.wienmuseum.at/120-jahre-gasometer-simmering, https://sammlung.wienmuseum.at/suche/?iconclasses=1185470, http://www.gasometer-city.eu/technik.htm, http://www.gasometer-city.eu/presseschau.htm.
[3] Hans Havelka, Simmering, hg. von Felix Czeike, 1991, S. 167, sowie https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Gasometer.
[4] http://www.gasometer-city.eu/geschichte.htm, sowie https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Gaswerk_Simmering.
[5] Hans Havelka, Simmering, hg. von Felix Czeike, 1991, S. 167.
[6] http://www.gasometer-city.eu/geschichte.htm. Der 5. Tank wurde 1945 schwer beschädigt und schließlich 1981 endgültig abgerissen.
[7] Hans Havelka, Simmering, hg. von Felix Czeike, 1991, S. 168.
[8] http://www.gasometer-city.eu/geschichte.htm.
[9] https://www.wien.gv.at/stadtplanung/park-gasometervorfeld.
[10] https://www.wien.gv.at/stadtplanung/gasometervorfeld-2-0. Dazu bildet https://www.wien.gv.at/pdf/ma21/gasometervorfeld-stek-praesentation.pdf die Grundlage für die in Umsetzung befindlichen städtebaulichen Maßnahmen.
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